Verantwortliche/r: Thomas Walther, PruefAI, Schweiz  ·  Kontakt: info@pruefai.ch

1. Anlass und Zweck

PruefAI verarbeitet handschriftliche Prüfungen von Schülerinnen und Schülern (überwiegend Minderjährige) mit Hilfe eines KI-Modells (Anthropic Claude). Da hier sowohl Daten besonders schutzbedürftiger Personen als auch ein KI-System mit potenziell weitreichender Auswirkung auf die Beurteilung der Betroffenen im Spiel sind, wird eine Folgenabschätzung als gute Praxis durchgeführt – auch wenn die Schwelle des Art. 22 nDSG (rein automatisierte Einzelentscheidung) bewusst nicht erreicht wird.

2. Beschreibung der Bearbeitung

2.1 Datenfluss

  1. Die Lehrperson fotografiert/scannt eine handschriftliche Prüfung; die Bilder werden im Browser (IndexedDB) lokal gespeichert.
  2. Auf Knopfdruck werden die Bilder ohne Schülername (Pseudonymisierung) zusammen mit neutralen Prüfungsmetadaten (Prüfungsname, Maximalpunktzahl, Aufgabenstellung) an Claude (Anthropic, USA) übermittelt.
  3. Claude liefert ein strukturiertes JSON-Ergebnis (Punkte, Note, Begründung, Verbesserungsvorschlag pro Aufgabe).
  4. Das Ergebnis wird im Browser lokal gespeichert. Die Lehrperson überprüft, korrigiert und bestätigt die Bewertung; sie kann jede Punkt-/Notenangabe ändern.
  5. Die finale Note wird ausschliesslich lokal abgelegt. Bei Anthropic werden die Bilder gemäss Standard-API-Bedingungen nicht persistiert und nicht für das Training verwendet.

2.2 Beteiligte Akteure

3. Notwendigkeit und Verhältnismässigkeit

Die KI-gestützte Korrektur ermöglicht eine ~80%ige Zeitersparnis bei der Prüfungskorrektur und erhöht damit die Qualität der pädagogischen Arbeit (mehr Zeit für individuelle Förderung, weniger Korrektur-Druck). Die Bearbeitung ist verhältnismässig, weil:

4. Risikoanalyse

RisikoWahrscheinlichkeitSchwereMassnahmen
Re-Identifikation aus Bildinhalt (Handschrift, ggf. Name oben auf dem Blatt) niedrig mittel Pseudonymisierung der Metadaten; explizite Empfehlung an Lehrpersonen, den Namen abzudecken (Onboarding-Hinweis in der App); Anthropic verarbeitet ohne Re-Identifikations-Interesse und ohne Persistenz
Falsche Bewertung durch die KI mittel mittel Mensch-im-Loop: Lehrperson überprüft jede Bewertung und gibt sie frei; finale Note ist immer die der Lehrperson; pro Aufgabe Begründung + Verbesserungsvorschlag der KI für nachvollziehbare Korrektur
Datenleck bei Anthropic oder einem anderen Sub-Bearbeiter niedrig mittel Pflicht-DPA mit allen Sub-Bearbeitern; SCCs + Swiss-U.S. DPF; Anthropic Standard-Terms (keine Persistenz, kein Training); kurzzeitige Übertragung (Sekunden)
Unbefugter Zugriff auf den lokalen Browser-Speicher niedrig niedrig Lokale Speicherung im Lehrer-Browser ist eine Frage der Geräte-Sicherheit (Passwort, Bildschirmsperre); kein zentrales Backend reduziert das Skalenrisiko massiv
Reproduzierbarkeit der KI-Antworten (Reidentifikation über Trainingsdaten) niedrig niedrig Anthropic verwendet API-Daten standardmässig nicht zum Training; Bilder werden nicht persistiert
Fehlende oder unklare Rechtsgrundlage für die Schülerdaten-Bearbeitung niedrig mittel Die normale Notenerfassung ist durch das kantonale Schulrecht / den Schul-Auftrag der Lehrperson legitimiert – analog zum Einsatz von Excel oder einem Schul-LIS. Eine separate Einwilligung der Erziehungsberechtigten ist üblicherweise nicht erforderlich. Die Informationspflicht gegenüber den Erziehungsberechtigten erfüllt die Schule via ihre eigene Datenschutzerklärung. PruefAI verlangt beim ersten Schüler-Eintrag eine explizite Bestätigung der Rechtsgrundlage durch die Lehrperson.
Lizenz-Missbrauch / Account-Sharing niedrig niedrig Lizenz-Validierung gegen Stripe, Revocation-Flag

5. Massnahmen im Überblick

6. Restrisiko

Nach Umsetzung der oben genannten Massnahmen verbleibt ein niedriges Restrisiko. Es ist primär theoretischer Natur (z. B. ein Datenleck beim KI-Anbieter trotz SCCs und Standard-Terms ohne Persistenz). Die Wahrscheinlichkeit ist gering, und im seltenen Eintrittsfall ist die Schwere überschaubar, da keine Klarnamen übermittelt werden und die Daten nicht persistiert sind.

Fazit: Die Bearbeitung ist verhältnismässig und unter den getroffenen Massnahmen zulässig. Sie wird regelmässig überprüft (mindestens jährlich oder bei wesentlichen Änderungen am Datenfluss / am eingesetzten KI-Modell).

7. Aktualisierungen

Diese DSFA wird aktualisiert, wenn sich die Bearbeitung wesentlich ändert (neue Sub-Bearbeiter, anderer Modell-Anbieter, neue Datenkategorien). Datum der letzten Überprüfung: 2026-05-28.

Siehe auch: Datenschutzerklärung · Sub-Auftragsbearbeiter · Bearbeitungsverzeichnis · AVV